Via Claudia Augusta – Bericht III: Zusammenfassung und abschließende Beurteilung

III. Zusammenfassung und abschließende Beurteilung:

„Es hat für mich etwas mit Lebensqualität zu tun, sich selbst zu erleben und zu erfahren, während man aktiv unterwegs ist – sei es alleine oder in einer Gruppe. Das Aktive ist für mich der Indikator dafür, wie sehr man mit sich, mit den Möglichkeiten und den ‚Wunderschön(en)!‘ Momenten seines Lebens zufrieden ist“  und wie man mit den Mitmenschen in Beziehung tritt.

(s. meinen Beitrag von 2016 hier in diesem Blog)

 

Die vier Fotos suggerieren Einsamkeit und ein Alleinsein des Tourenbikers. Sie zeigen aber auch, wie schön die Landschaft ist, durch die ich geradelt bin.

Ja, ich war auf meiner Tour auf der „Via Claudia Augusta“ durch die Alpen alleine unterwegs. Dieses Allein-Sein habe ich aber an keinem Tag als Manko empfunden, eher als Bereicherung.

Ich bin auf der einen Seite gerne mit anderen Menschen zusammen und auch unterwegs. Mit meiner Ehefrau, der Familie und mit Freunden habe ich zahlreiche wunderschöne Radtouren unternommen. Sie stehen nicht im Widerspruch zu den Touren, die ich bislang allein gemacht habe (vgl. hier in diesem Blog: https://zimbuhr.wordpress.com/2014/07/24/zimbu-on-tour-gesamtbilanz-einer-radtour-durch-deutschland/).

Alleine eine Radtour zu unternehmen hat auf der anderen Seite einige „Vorteile“, die das Radfahren in einer Gruppe oder zu zweit nicht bieten kann – ohne (wie gesagt) beide Formen gegeneinander auszuspielen.

Ein für mich bedeutsamer „Vorteil“ liegt in dem täglichen „Auf-Sich-Geworfen-Sein“. Es klingt egozentrisch, gemeint ist aber die Tatsache, dass ich mich Ende letzten Jahres nach der erfolgreichen Überwindung meiner Krankheit mit der alten Idee auseinandergesetzt habe, die „Via Claudia Augusta“ zu befahren (vgl. Beitrag: https://zimbuhr.wordpress.com/2017/03/04/via-claudia-augusta-teil-2-der-vorbereitung/). Es ging und geht im Wesentlichen darum, eine Aufgabe oder eine Herausforderung anzunehmen, indem ich mich mit ihr auseinandersetze und für mich klar zu machen versuche, wie ich diese Aufgabe oder Herausforderung erfüllen, bewältigen kann. Die Erfahrung, dass man sich immer wieder vor solchen Herausforderungen gestellt sieht, ist eine allgemein menschliche. Entscheidend ist, dass man diese Herausforderungen des Lebens, auch die, die man sich selbst stellt, annimmt, zu bewältigen sucht und sich nicht von ihnen bestimmen oder sogar überrollen lässt.

Die „Via Claudia Augusta“ bot nun in diesem Jahr an, endlich (!) eine Radtour zu unternehmen, mit der ich mich auch aus historischem Interesse stark beschäftigt habe. Vor allem die Geschichte der Familie Fugger mit ihren Handelsbeziehungen bis nach Italien und darüber hinaus ist für mich immer wieder von Interesse. Die „Via Claudia Augusta“ bietet sich regelrecht an, aktiv und körperlich ein Stück weit nachzuempfinden, wie die Menschen in früheren Jahrhunderten die Alpenwelt zu überwinden suchten, um in fremde Länder und Städte zu gelangen.

An dieser Stelle sei ehrlicherweise gesagt, dass ich die beiden schwierigsten Teilstrecken meiner Fahrradtour mit modernen Mitteln bewältigt habe. Sowohl für den Fernpass als auch für den Reschenpass (genauer: die Fahrt nach Nauders) habe ich jeweils einen Shuttle-Bus in Anspruch genommen (dass ich die Herausforderung der „Via Claudia Augusta angenommen habe, beinhaltet auch, dass ich mir nichts zu beweisen habe).

       
(Schloß Fernstein)          (Nauders am Reschenpass)                                      (Reschensee)

In den Beschreibungen zu der Via Claudia Augusta (z.B. http://www.viaclaudia.org) wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass man sich für den Transfer über den Fernpass mit dem zuständigen Reisebüro Zoller in Lermoos per SMS in Verbindung setzen und eine Fahrt buchen soll. Eine wichtige Erfahrung: Ich habe Herrn Zoller, der sich selbst als „Huckepack-Klaus“ bezeichnete, angerufen und er war sofort bereit, mich auch außerhalb der vorgesehenen Zeit über den Fernpass zu bringen. Das persönliche Gespräch mit ihm während dieses Transfers führte u.a. dazu, dass er mir die Unterkunft „Alpenrausch“ in Nassereith empfohlen hat (s.o. „Zusammenfassender Bericht II“ und http://www.almrausch-tirol.at/).

Ja, ich war auf meiner Tour auf der „Via Claudia Augusta“ durch die Alpen alleine unterwegs. Aber dieses Allein-Sein habe ich nie als Einsamkeit empfunden, weil ich auf die Menschen, mit denen ich zusammen traf, zugegangen und mit ihnen ins Gespräch gekommen bin. Und hier muss ich sagen, dass vom ersten bis zum letzten Tag ich nur freundlichen Menschen begegnet bin. Sei es in den Geschäften, sei es auf der Tour, indem ich mich mit anderen Fahrradfahrern unterhalten habe, sei es in all den bereits genannten und beschriebenen Unterkünften, in den Restaurants oder Cafés: ich habe nie den Eindruck oder das Gefühl gehabt, auf Ablehnung zu stoßen. Alle brachten mir Interesse entgegen für mein Unterfangen. Und ein sehr erfreuliches Erlebnis, was ich hier nur selten machen kann: Jugendliche, die mir unterwegs auf dem Radweg oder in den Ortschaften begegneten, haben von sich aus freundlich gegrüßt.

Zwei stellvertretende Beispiele für die Gastfreundlichkeit von Gastbetrieben, bei denen ich mit netten Menschen ins Gespräch gekommen bin und die ich weiterempfehlen möchte:

    

(Biergarten in der Fuggerei in Augsburg)             (Hofschank in Kastelbell)
(Die anderen, im vorhergehenden Teil meines Berichts genannten Gastbetriebe, gehören selbstverständlich mit dazu)

Um abschließend zu einer Beurteilung der Fahrradroute „Via Claudia Augusta“ zu kommen, muss ich sagen, dass diese Radroute sehr empfehlenswert ist. Sie gehört für mich zu den Routen in Deutschland bzw. innerhalb der EU, auf denen man „eine Menge erleben kann“, die durch wunderbare Landschaften führen sowie reizvolle und geschichtlich interessante Orte berühren. Die Anstrengungen, die diese Route vor allem in der Alpenwelt mit sich bringt (hier sehe ich nur bedingt die „Familienfreundlichkeit“ dieser Radroute), möchte ich nicht verschweigen. Man stößt schnell an seine Grenzen. Wenn man aber diese akzeptieren kann und sich nicht zu schade ist, das Fahrrad auch mal zu schieben (16% Steigung!), dann gehören diese Anstrengungen und Strapazen einfach mit dazu. Im Alpenvorland sieht man die Alpen stetig auf sich zukommen und man fragt sich schon, wie es wohl werden wird, wenn man dann hinein fährt in diese beeindruckende Alpen-Welt. Hat man dann, z.B. nach Füssen, den ersten kleineren Pass überwunden, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass „Alles halb so schlimm“ ist.

Hier möchte ich noch kurz etwas zu den vielen Bedenken sagen, die mir gegenüber von Anderen bei der Planung und Vorbereitung meiner Tour geäußert wurden. Vor allem die Frage, ob ich tatsächlich alleine fahren oder ob ich mit meinen 63 Jahren nicht lieber eine andere Route wählen sollte. Zum Stichwort „alleine radeln“ habe ich oben bereits etwas gesagt. Die Frage nach dem Alter stellt sich für mich in der Weise nicht. Wenn man aktiv und beweglich bleiben möchte, muss man sich auch aktiv bewegen. Diese Tatsache ist für mich, solange man gesund ist und für seine Beweglichkeit trainieren kann – weil der Körper, wenn auch begrenzt, mitmacht -, keine Frage des Alters. Es ging und geht mir ja nicht darum, neue Höchst- und Best-Leistungen zu erbringen.

Eine besondere Form der „Bedenkerträgerei“ habe ich unterwegs erlebt, als ich mich in Landeck am Busbahnhof über den Transfer ab Pfunds nach Nauders informieren wollte. Dort wartete ein weiterer Tourenfahrer, dem die Strecke nach Pfunds zu anstrengend war, da sie angeblich zahlreiche und besonders steile Anstiege haben sollte, und der mir gegenüber meinte, es sei überaus fraglich, ob überhaupt noch ein Bus fahren würde (es war Samstag Mittag). Er hat mich dermaßen verunsichert, dass ich dann mitgefahren bin, als während unseres Gesprächs der Bus kam. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich mich so stark habe beeinflussen lassen. Denn auf der Fahrt mit dem Bus habe ich aus dem Fenster gesehen, dass ich die Strecke von Landeck bis Pfunds durchaus hätte bewältigen können.

Insgesamt bin ich froh, dass ich mich über alle Bedenken, auch über die, die ich mir selbst gemacht habe, hinwegsetzen konnte und eine Fahrradroute gefahren bin, auf der ich mein Aktiv-Sein und meine Beweglichkeit im wahrsten Sinne des Wortes körperlich gespürt habe. (Nicht, dass ich mich mit den Bedenken nicht auseinander gesetzt hätte. Sie haben dafür gesorgt, dass ich diese Radtour intensiv vorbereitet habe.) Dass das Wetter mitspielte und die gesamte Route, so wie ich sie gefahren bin, bestens geführt und ausgeschildert ist, steigert den Wert meiner Erlebnisse und meiner Erfahrungen, die ich an den Tagen des Unterwegsseins machen durfte.

Einige Daten zur Tour:

  •  Gefahrene Kilometer:                           433,78 km
  •  7. Etappen:                                                  Tagesetappen (á zwischen 37 u. 65 km)

1. Donauwörth-Augsburg / 2. Augsburg-Fuchstal / 3. Fuchstal-Füssen / 4. Füssen Nassereith / 5. Nassereith-Graun / 6. Graun-Kastelbell / 7. Kastelbell-Bozen

  • Fahrzeit:                                                       gesamt ca. 25 Stunden
  • Durchschnittsgeschwindigkeit:        zw. 13,5km/h (min.) und 20,7km/h (max.)

 

 

 

 

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Über Bernd

Historiker und Theologe; ich befinde mich in der Altersteilzeit und liebe Bücher, besonders historische Romane und gute Krimis, aber auch Romane und Erzählungen von Autoren wie Robert Seethaler oder Maarten t'Hardt; bin begeisterter Fahrradfahrer (Tourenbike); reise gerne; Fan von gut geführten Buchhandlungen s. Links)
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