„Mit dem Fahrrad ans Meer – Wunderschön!!“ – Teil 2

Wenn ich die gesamte Woche mit ihren einzelnen Tagen, an denen wir als Gruppe unseren Weg gesucht haben, in der Rückschau sehe, fallen mir viele unvergessene Momente ein.

Alle Richtungen

Sie alle im Detail zu beschreiben, würde den Rahmen dieses „Tagebuches“ sicherlich sprengen. Sie können zudem für Unbeteiligte unverständlich bleiben. Der vorgesehene Filmbeitrag innerhalb der Reihe „Wunderschön!“ des WDR-Fernsehens am 17.07.2016 wird diese Momente anschaulicher verdeutlichen können.

Ich ziehe es daher vor, ähnlich wie bei meiner Tour vor zwei Jahren (s. Beiträge von 2014 in diesem Blog) grundsätzliche und prägende Eindrücke darzustellen.

Im ersten Beitrag zu unserer Radtour „Mit dem Fahrrad ans Meer“ habe ich gesagt, dass ich die Frage nach einer ersten Einschätzung damit beantworte, dass diese Radtour mich glücklich gemacht hat. Diese Antwort habe ich auch spontan geäußert, als mich Michael in einem Interview fragte, wie ich mich kurz vor dem Ende fühlen würde.

Wie kann eine Fahrradtour glücklich machen? Hat es etwas mit „Kitsch“ zu tun?

Ems heißt auf Platt GlückNein, es hat nichts mit Kitsch zu tun.

Meine Erfahrung wie vor zwei Jahren – und so habe ich es auch in dem erwähnten Interview gesagt:

Sich seinen Weg suchen,  auf diesem Weg vorgegebene oder selbst ausgewählte Ziele erreichen zu wollen – eine bunte und vielfältige und damit abwechslungsreiche Landschaft erleben und erfahren – das Gefühl, eine unfassbare Freiheit genießen zu dürfen – mit anderen Menschen in Kontakt treten und ins Gespräch kommen – schwierige Situationen oder anstrengende Strecken annehmen und überwinden zu können:

All diese Erfahrungen haben zu diesem persönlichen Glück beigetragen.

Und: Für mich eine grundsätzliche Lebens-Erfahrung:

Ob ich alleine wie 2014 mir den Weg suchen muss, um die vorab ausgewählten Ziele erreichen zu können, oder in einer Gruppe, wie bei der diesjährigen Tour „Mit dem Fahrrad ans Meer“, macht keinen wesentlichen Unterschied.

Zu keinem Zeitpunkt habe ich das Gefühl gehabt, dass sich diese gemeinsame Suche nach dem richtigen Weg  als zu kompliziert darstellt. Wir haben uns aufeinander verlassen können. Wir haben jeweils dem vertraut, der die Verantwortung übernommen hat, voran zu fahren. Umwege, die sich mitunter ergaben, wurden nicht weiter debattiert.

Joa kennt den WegEin Zweites: Es gab keine festgesetzte Regelung, welchen Platz der oder die Einzelne beim Fahren einzunehmen hat. Jeder konnte immer mal wieder in dem Windschatten des oder der Vorausfahrenden neue Kräfte sammeln. Oder der eine oder die andere suchte sich einen Partner / eine Partnerin, um beim gemeinsamen Radeln ins Gespräch kommen zu können.

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Und ein Drittes: Abends, wenn das Tagesziel erreicht war, sind wir zusammen geblieben und haben den jeweiligen Tag bei einem guten Essen und bei einem oder mehreren Gläsern (Bier oder Wein) ausklingen lassen.

Und schließlich noch ein Viertes: Jeder oder jede Einzelne von uns konnte und durfte zeigen und äußern, wenn eine Etappe oder ein Teilstück der zu befahrenen Strecke zu beschwerlich wurde oder die Strapaze zu groß. Die Gruppe trug dies mit. Allen war spätestens ab dem dritten Tag im Grunde klar: Die Alternative, ein Teilstück mit der Bahn zu überbrücken, kam nicht in Frage.

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Dass wir am vierten Tag, nach der Etappe am Vortag von Herdecke nach Münster („Das ist schon eine Nummer!“) ein Teilstück (Ladbergen-Lingen) mit der MS-Haneken zurück gelegt haben, steht dazu nicht im Widerspruch – eine kleine Erholungspause nach drei Tagen im Sattel, von allen gerne angenommen.

Das Ziel sollte gemeinsam nur mit dem Rad erreicht werden – auch wenn die bildliche Vorstellung von diesem zunächst abstrakten Ziel („Entschuldigen Sie, wo geht es hier zum Meer?“) bei jedem und jeder von uns recht unterschiedlich gewesen sein dürfte. Umso mehr stellt der Leuchtturm in Pilsum unser gemeinsames Ziel dar, welches wir tatsächlich mit dem Fahrrad über eine Distanz von über 500 km erreicht haben.

Pilsumer Leuchtturm

Pilsumer Leuchtturm

Wir haben viel Spaß miteinander gehabt. Und in der Gesamtgruppe viel Freude erleben dürfen. Und diese Freude wurde durch keinen schweren Unfall getrübt.

Dass dies für jeden und jede von uns möglich gewesen ist, sehe ich nicht als selbstverständlich an.

Gelungen ist es uns zudem, diejenigen aus unserer Gesamtgruppe, die hinter der Kamera standen oder für den Service verantwortlich gewesen sind und viel zum Gelingen des Projektes beigetragen haben (Sabine, Jessica, Jule, Jürgen, Daniel), zu integrieren.

Und zum (vorläufigen !?)Schluss ein Zitat:

Das Fahrrad bedeutet mechanische Vollkommenheit. Als der Mensch das Fahrrad erfand, erlangte er den Gipfel seiner Errungenschaft … Hier war einmal ein Produkt des menschlichen Gehirns, das für seine Benutzer vollkommen wohltuend wirkte und anderen weder Schaden noch Ärger brachte. Der Fortschritt hätte haltmachen sollen, als der Mensch das Fahrrad erfunden hatte.“

(Alan und Elizabeth West, Hovel in the Hills, 1977, in: „Ich fahre so gerne Rad … Geschichten vom Glück auf zwei Rädern“, dtv 2007, S. 131)

Anmerkung:

Für die beigefügten Fotos gilt: © Joa aus Essen und fb: „Mit dem Fahrrad ans Meer“ (vielen Dank)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über Bernd

Historiker und Theologe; ich befinde mich in der Altersteilzeit und liebe Bücher, besonders historische Romane und gute Krimis, aber auch Romane und Erzählungen von Autoren wie Robert Seethaler oder Maarten t'Hardt; bin begeisterter Fahrradfahrer (Tourenbike); reise gerne; Fan von gut geführten Buchhandlungen s. Links)
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Eine Antwort zu „Mit dem Fahrrad ans Meer – Wunderschön!!“ – Teil 2

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